© Jörg Ochsmann 2000 

 

OCHSMANN, J. 1999 (14. Symposium Biodiversität und Evolutionsbiologie, Jena): 
Centaurea ×pestalotii De NOT. ex CES. (Asteraceae-Cardueae), eine übersehene Hybridart aus Norditalien.
Zusammenfassung

Sowohl innerhalb als auch zwischen verschiedenen Sektionen von Centaurea L. existieren zahlreiche Hybriden. Besonders in der sect. Acrolophus (CASS.) DC. mit ihren morphologisch schwer abgrenzbaren Gruppen sind fertile Hybriden und Übergangsformen nicht selten. Auch mit der sehr nah verwandten sect. Phalolepis (CASS.) DC., die die gleiche Chromosomengrundzahl aufweist (x = 9), ist die sect. Acrolophus durch Übergänge verbunden [vgl. WAGENITZ, Flora 182: 341-351 (1989)]. Es wird jedoch nur ein Teil der hybridogenen Sippen als Arten anerkannt, was im wesentlichen auf mangelnde Kenntnisse der Formen und ihrer Verbreitung zurückzuführen ist.

Hierfür stellt C. ×pestalotii De NOT. ex CES. (= C. alba L. (s.l.) × C. stoebe L.) ein gutes Beispiel aus der mitteleuropäischen Flora dar. Diese diploide (2n = 18) Hybridsippe  [Ochsmann, Haussknechtia 7: 59-65 (1999)]) ist voll fertil. Nach eigenen Untersuchungen [Ochsmann, Morphologische und molekularsystematische Untersuchungen an der Centaurea stoebe L.-Gruppe (Asteraceae-Cardueae) in Europa. (im Druck)] kommt die Art in Nord-Italien im Kontaktbereich der Elternarten vor. Zumindest für das Aostatal konnten auch eigenständige Populationen ohne die Elternarten nachgewiesen werden.

Die Bestände zeichnen sich durch extreme morphologische Variation der Hüllblattanhängsel aus, wobei auch Formen auftreten, die bei keiner der Elternarten zu finden sind. Aufgrund der hohen Variation wurden einzelne Formen unter verschiedenen Namen neu beschrieben (z.B. C. ×augustana RCHB. f. und C. ×brachtii RCHB. f.), ein Teil wurde fälschlicherweise den Elternarten zugerechnet. Dadurch wurden die Verbreitung und Häufigkeit von C. ×pestalotii bislang deutlich unterschätzt. Im Aostatal scheint C. ×pestalotii heutzutage deutlich häufiger vorzukommen als die Elternarten, was auf eine Aufbastardierung oder Verdrängung der Elternarten hindeutet.

Weiterhin fällt die sehr große morphologische Ähnlichkeit bestimmter Formen von C. ×pestalotii mit der im Wallis (Schweiz) endemischen C. vallesiaca (DC.) JORD. auf. Möglicherweise handelt es sich bei dieser ebenfalls um eine hybridogene Sippe, die sich durch die Isolation während der letzten Eiszeit stabilisiert hat.

Hier könnten weitere Untersuchungen mit molekularen Methoden zu neuen Ergebnissen führen.


(Stand / last updated: 28.01.2007)